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Psychoanalyse - Eine Einführung in die Psychologie unbewusster Prozesse.

Besprechung im Deutschen Ärzteblatt, Jg. 105, H. 23, 6. Juni 2008

Keine elitäre Selbstgenügsamkeit
Der Buchtitel ist insofern etwas missverständlich, als der Leserschaft nicht nur eine Einstimmung auf das Thema, sondern auch ein systematisches Lehrbuch und Nachschlagewerk geboten wird. Das Buch dokumentiert en detail den „State of the Art“ der Psychoanalyse, eine Gesamtschau der aktuellen Debatten, die innerhalb des Fachs geführt werden über die Konzeption der seelischen Entwicklung, die Struktur und Dynamik der Krankheitsbilder und deren technisch-therapeutische Behandlung. Berücksichtigung finden auch die aktuellen deutschsprachigen, angloamerikanischen und teilweise auch französischsprachigen Beiträge zum Thema.
In den Anfangskapiteln wird eine Herleitung der historischen sowie der konzeptionellen Entwicklung gegeben, wissenschaftstheoretisch-epistomologische und methodologische Überlegungen finden genauso ihren Platz wie die fundierte Darstellung der psychoanalytischen Entwicklungspsychologie einschließlich der Ergebnisse der Säuglingsforschung, der Symbolisierungstheorie und der Traumlehre. Im Kapitel „Krankheitstheorie“ werden die einzelnen Störungsbilder ebenso fokussiert wie die differentiellen therapeutischen Methoden. Eingehend werden die Ergebnisse der empirischen Psychotherapieforschung rezipiert. Ins Zentrum gerückt haben die Autoren „die Psychologie unbewusster Prozesse“, systematisch dargestellt an der Entwicklungstheorie, der Persönlichkeitstheorie, der Krankheitslehre und der Behandlungstechnik. Die Untersuchung unbewusster Prozesse ist eine der eigentlichen Domänen der Psychoanalyse, in jüngster zeit auch durch die Neurobiologie und Kognitionsforschung besetzt. Folgerichtig zeigen die Autoren vielfältige Konvergenzen zwischen den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen und ihren Ergebnisses, etwa der Traumforschung, diskutieren aber auch methodologische Divergenzen. Dabei wird evident, dass sich die Psychoanalyse innerhalb eines weltumspannenden Netzwerks in einem fruchtbaren Dialog mit den Nachbarwissenschaften befindet. Insofern wird, wie bei der Darstellung der Effektivität der psychoanalytischen Behandlungen, auch mit jenem Vorurteil aufgeräumt, die Psychoanalyse habe sich in einer Art elitären Selbstgenügsamkeit in den Elfenbeinturm zurückgezogen. Ausführlich werden abschließend die unterschiedlichen behandlungsverfahren diskutiert.
Die Monografie ist gut verständlich geschrieben, mit vielen klinischen Vignetten angereichert. Mannigfache Querverweise und vor allem die konzisen, zuweilen etwas dicht geratenen, thematisch aber kohärent in sich geschlossenen Kapitel ermöglichen auch einen Seiteneinstieg und machen das Buch als Lehrtext und Nachschlagewerk für den Anfänger wie auch für den Spezialisten interessant.
Aglaya Strin

 

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04.01.2009